Bier selbst brauen

Bier selbst brauen

Selber machen liegt voll im Trend. Ich kann das gut nachvollziehen, denn ich sitze selbst den ganzen Tag vor einem Rechner und schiebe Nullen und Einsen durch die Gegend. Nach Feierabend oder am Wochenende ist ein wenig handfeste Arbeit eine willkommene Abwechslung. Neben der Gartenarbeit nehme ich mir von Zeit zu Zeit ein Thema vor, das mich besonders interessiert. So habe ich mich in den letzten Jahren zum Beispiel mit der Zucht von Pilzen beschäftigt (Experiment: Pilzzucht im eigenen Garten mit Austernpilzen und Shiitake) oder mich dem Bau von Quadrokoptern gewidmet (Eigenbau Quadrokopter endlich flugbereit). Seit Jahren juckt es mich aber, eigens Bier zu brauen.

Das liegt vor allem daran, dass ich in den Neunzigern während meiner Studentenzeit öfter in USA und Kanada unterwegs war und damals schon feststellen musste, dass es in Nordamerika neben Billigbier in Büchsen viele kleine, lokale Brauereien gibt, die hervorragendes Bier brauen, sogenanntes Craft Beer. Als ich vor drei Jahren wieder in Kanada (Endlich wieder im Westen von Kanada unterwegs) unterwegs war, um meine alten Wirkungsstätten zu besuchen, hat sich aus diesem Trend ein handfester Wirtschaftszweig entwickelt: Kein Ort, keine Stadt, die nicht über ihre eigene Craft Beer Brauerei mit einem abwechslungsreichen Angebot an diversen Biersorten verfügt.

Nachdem ich mit meinen Projektchen schon oft gescheitert bin oder teuer Lehrgeld bezahlen musste, habe ich mich beim Bier brauen dafür entschieden, erst mal einen Kurs an einer Volkshochschule zu machen. Auch wenn man viele Bücher zum Thema liest oder sich einige der zahlreiche Youtube Videos zum Thema anschaut, für mich war lange nicht ganz klar, welche Gerätschaften benötigt werden und wie der eigentliche Ablauf des Brauens ist. Dieser hängt natürlich auch von dem Bier ab, das man brauen möchte. Der Kurs hat sich mehr als gelohnt, denn die Kursleiterin – übrigens eine gelernte Bierbrauerin! – verfolgt den Ansatz, das Bier mit möglichst einfachen Mitteln herzustellen, z.B. ohne spezielle Ausrüstung. Weitere Infos zu Stadtführungen in München rund um das Thema Bier sowie zu Brauseminaren und -kursen unter www.brauseminare.com.

Bier brauen mit einfachen Mitteln, z.B. normalen Entsaftern

Bier brauen mit einfachen Mitteln, z.B. normalen Entsaftern

Bier brauen liegt voll im Trend, d.h. man bekommt bereits unendlich viel Gedöns angeboten, das man sich als Hausbrauer kaufen könnte. Da gefällt es mir natürlich besonders gut, wenn man mit Gerätschaften wie einfachen Entsaftern aus einem gewöhnlichen Haushalt auskommt und damit ein gutes Bier selbst brauen kann, das den Vergleich mit dem bei uns üblichen Industriebier nicht scheuen muss.

Beschäftigt sich man etwas eingehender mit dem Thema Bier, stellt man schnell fest, dass es eine große Vielfalt an Biersorten gibt, die wir in Deutschland gar nicht kennen. Dabei werden viele ausländische Biere gemäß dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut, auf das wir Deutschen uns gerne etwas einbilden. Jedenfalls eröffnet sich hier ein weites Betätigungsfeld für den Hausbrauer, denn für uns selbst dürfen wir nach herzenslust expermentieren, Reinheitsgebot hin oder her. Wir können auf Rezepte, die sogenannten Sudberichte, aus aller Welt zurückgreifen.

Hopfen und Malz…

Wichtigstes Ausgangsprodukt zur Bierherstellung ist das Malz, also geschrotete Gersten- und Weizenkörner (nach dem Reinheitsgebot dürfte es eigentlich schon kein Weizen- bzw. Weißbier geben!). Wichtig ist dabei dass, das Malz bereits kurz gekeimt hat bevor es wieder getrocknet wird. Dadurch wird ein Enzym, die Amylase aktiviert damit sie im späteren Brauprozess die Stärke der Getreidekörner in Zucker umwandeln kann. Für mich mit einer der faszierendsten Aspekte des Brauens, alles was das Bier ausmacht, kommt aus dem Korn selbst. Der Zucker ist schließlich der Grundstoff für die Hefe, die ihn während der Gärung in Alkohol umwandelt. Fehlt nur noch der Hopfen, der dem Bier mit seinen Bitterstoffen den typischen Geschmack verleiht. Eine weitere Eigenschaft des Hopfens ist zudem die antibakterielle Wirkung seiner Inhaltsstoffe, er macht das Bier also auch haltbarer. Auf den Prozess des Brauens werde ich hoffentlich in Kürze mit einem Bericht über die ersten eigenen Brauversuche eingehen können. Das Bier, das wir als Ergebnis des Kurses mit nach Hause bekommen haben, war sehr gut und schmeckte eindeutig nach mehr: Eine solche deutliche, dennoch angenehme Hopfennote des selbst gebrauten Märzens habe ich bisher bei Industriebier noch nicht geschmeckt.

Zutaten fürs eigene Bier: Hopfen, Malz und Hefe

Zutaten fürs eigene Bier: Hopfen, Malz und Hefe

Eigenes Bier brauen ist also ein spannendes Hobby, das weit über die Zubereitung eines einfachen Getränks hinausgeht. Wobei mir der aktuelle Hype um Craft Beer in Deutschland mit seinen Bier-Sommeliers und Preisen wie beim Wein schon wieder zu weit geht. Aber warum nicht zu Hause ein wenig experimentieren, eine ausgleichende Tätigkeit zum Alltag im Job am Computer ist es allemal. Jedenfalls bin ich gerade dabei, mir die notwendigen Gerätschaften zusammenzustellen und die nötigen Zutaten zu bestellen um endlich mein eigenes Bier herzustellen. Der erste Versuch wird ein dunkles Weißbier sein.

Für den Eigenbedarf ist das Brauen von Bier übrigens bis zu einer Grenze von 200 Litern pro Jahr erlaubt. Man muss trotzdem jeden Brauvorgang beim örtlichen Zollamt anmelden. Produziert man mehr Bier oder möchte man es weitergeben, muss man das Bier versteuern. Die Beträge dafür sind lächerlich gering und man darf nicht an den Verwaltungsaufwand denken, der dafür in deutschen Amtstuben anfällt. Aber das ist ein anderes Thema.


1 Kommentar

  1. Hopfen und Malz, Gott erhalts :-)

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