Eine alte Heilpflanze: das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis)

Eine alte Heilpflanze: das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis)

Seit Tagen gehe ich an einer unscheinbaren, kleinblütigen Pflanze vorbei. Nun habe ich doch einmal nachgesehen, und siehe da, es ist ein altes, traditionelles Heilkraut: das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis) aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Die Pflanze ist äußerst zart, die Blütenstände lang und äußerst schmal. Trotz der unscheinbaren Erscheinung hat es das zierliche Kraut in sich: Bereits in der Steinzeit wurde es angeblich für kultische Zwecke verwendet, im antiken Ägypten, Griechenland und Rom schmückte das Eisenkraut Altäre und wurde den verschiedensten Göttern gewidmet. Die über Jahrtausende anhaltende Beliebtheit der Pflanze lässt sich vermutlich auf seine zugesprochene Heilkraft zurückführen. Das Eisenkraut enthält zahlreiche Wirkstoffe, die gegen Rheuma oder Erkältungen helfen sollen, harntreibend wirken und den Gallenfluss fördern. Eisen enthält die Pflanze allerdings nicht. Viele der Heilwirkungen konnten wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, trotzdem findet sich das Eisenkraut in vielen Naturheilmitteln. Dr. Ferdinand Müller schreibt in seinem Illustrieten Kräuterbuch über das Eisenkraut, dass er noch der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) zuordnet, unter anderem: Gebrauch: Die Wurzel in Wein ausgezogen, ist gut gegen Gelbsucht. – Das Kraut in Wein gesotten, hilft gegen verstopfte Leber-, Milz- und Nierenleiden, schwerem Athem, Fieber.- Läßt man die Blätter 4 Tage in Wein stehen und nimmt die Flüssigkeit in den Mund, so heilen die Geschwüre davon.- In Wasser gesottenes Eisenkraut befördert die Menstruation der Frauen. Die Liste der Anwendungen und Rezepturen ist noch viel länger, ich habe hier nur den ersten Absatz aufgeführt. Der Botaniker Herrman Fischer schreibt in Heilung durch die Natur über das Eisenkraut: Es ist ein leichtes Bittermittel, stärkend und zusammenziehend. Aus Kräuterbüchern: 5 Gr. Blätter werden in halb Wasser und halb Wein...
Der Riesenbärenklau (Heracleum giganteum)

Der Riesenbärenklau (Heracleum giganteum)

Vom Zug aus habe ich den Riesenbärenklau (Heracleum giganteum), oder auch Herkulesstaude schon oft gesehen, jetzt habe ich bei einer Radltour endlich mal ein Exemplar einer Stelle entdeckt, wo ich ihn auch fotografieren konnte (natürlich neben einer Bahnstrecke). Der Riesenbärenklau gehört in die Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und zählt bei uns zu den invasiven Neophyten, also zu den Pflanzen, die bei uns einwandern und sich ausbreiten. Dabei folgt die Verbreitung des Einwanderers ganz gerne den Bahnlinien, denn einerseits liebt er Brachland und sonnige Standorte, wie es oft die Böschungen von Bahngleisen bieten. Andererseits verbreitet sich sein Samen hauptsächlich per Wind (Anemochorie), d.h. der Sog vorbeifahrender Züge zieht den Samen förmlich mit. Allerdings kam der aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau nicht alleine zu uns, sondern er wurde aktiv angesiedelt, zum Beispiel von Imkern als gute Bienenweide. Dabei ist die Pflanze nicht unproblematisch. So verdrängt der Riesenbärenklau zum Teil einheimische Pflanzen. Gefährlicher ist allerdings eine andere Eigenschaft: Berührungen können auf der Haut zu Verbrennungen führen, denn er enthält Substanzen, die die Lichtempfindlichkeit der Haut deutlich steigern. Man sollte diese Pflanze also nur mit entsprechender Schutzbekleidung anfassen. Wegen ihrer hohen Giftigkeit wurde der Riesenbärenklau im Jahr 2008 zur Giftpflanze des Jahres gekürt. Inzwischen gibt es sogar Bemühungen, den Bestand der Pflanzen zurückzudrängen und ihr Verbreitungsgebiet wieder stark einzudämmen. Da die Pflanzen an die Wahl ihres Standortes aber sehr anspruchlos ist, ist es fraglich, ob dieser Versuch gelingen kann. Andere Beiträge über Vertreter der Doldenblütler (Apiaceae) Große Sterndolde (Astrantia major)...
Der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae), gelegentlich auch als Marienfrauenschuh bezeichnet, ist eine der prächtigsten heimischen Pflanzen. Leider ist diese Pflanzen auch sehr selten und steht deshalb unter entsprechendem Schutz. Der Gelbe Frauenschuh ist übrigens die einzige heimische Frauenschuh-Art in Deutschland. Seine Blüten zählen zu den größten Einzelblüten europäischer Pflanzen. Die abgebildeten Exemplare des Frauenschuhs habe ich während einer Wanderung in der Nähe von Oberstdorf im Allgäu entdeckt. Der Standort dieser Orchideen war ein lichter, steiler Bergwald. Es ist den Fotos anzusehen: sie stammen noch aus der vordigitalen Zeit und wirken leider etwas künstlich. Es sind eingescannte Papierabzüge, die ich von Dias habe machen lassen. Die eindrucksvollen Blüten vom Frauenschuh kommen hoffentlich trotzdem zur Geltung. Die markante Blütenform ist eine Kesselfalle für Insekten: sie rutschen auf dem glatten Rand der leuchtend gelben Lippe in den vom Blatt geformten Schuh hinein und können sich nur durch zwei seitliche Ausgänge wieder befreien. Dabei drücken sich die Insekten an den Geschlechtsorganen der Blüte vorbei und bekommen so den Pollen für die Befruchtung anderer Pflanzen verabreicht. Von der Keimung bis zur ersten Blüte vergehen dann bis zu 15 Jahre. Dafür kann sich der Frauenschuh aber über seine Rhizome vegetativ vermehren und große Horste bilden. Buchtipp über Orchideen...
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Gemeine oder auch Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) aus der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae, früher wohl auch Oenotheraceae) ist eine der Pflanzen, die bei uns oft am Wegesrand wächst und blüht, aber kaum Beachtung findet. Dabei ist sie mal als beliebte Gartenpflanze bei uns eingeführt worden. Sie gehört damit zu den sogenannten Neophyten, den bei uns eingewanderten Pflanzen. Laut Dr. Ferdinand Müllers Kräuterbuch (siehe unten) kam sie bereits 1640 aus Virginia (Nordamerika) zu uns. Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) Die Nachtkerze hat im Volksmund viele Namen erhalten: Nachtblume, Gelber Nachtschatten, Nachtschlüsselblume, Eierblume, Gelbe Rapunzel, Härekraut, Rapontika, Rübenzunge, Rübenwurzel, Schinkenkraut, Schinkenwurz, Stolzer Heinrich, Weinblume, Weinkraut, Hustenblume. Der lateinische Name Oenothera biennis bedeutet übrigens »Zweijährige Weinblume«. Neben der Nutzung als Gemüse – was ich zum Beispiel nicht wusste – wird aus der Nachtkerze auch ein Öl gewonnen, das Nachtkerzenöl. Es findet Anwendung bei der Behandlung von Neurodermitis und in Hautcremes für kosmetische Zwecke. Dr. Ferdinand Müller schreibt in seinem »Illustrierten Kräuterbuch« von 1886 über die Gemeine Nachtkerze: … schöne Gartenpflanze, welche 1640 aus Virginien nach Europa kam. Sie wird gegenwärtig bei uns überall in Gärten und selbst verwildert auf Äckern, Anhöhen und Gebüschen getroffen, … Über ihren Nutzen schreibt er weiter: Im Winter gibt die Wurzel in kleine Scheiben geschnitten, und mit Essig und und Oel angemacht, einen gesunden Salat oder mit Fleischbrühe gekocht, ein nahrhaftes Gemüse. Im Allgemeinen wird diese Pflanze wie Sellerie behandelt und will sie keinen frischen Boden. Die angenehm süßlich schmeckende Wurzel (Rapontika) ist samt den Blättern als eröffnendes, blutreinigendes Mittel geschätzt. Georg Schlenker schreibt in seinen »Botanischen Streifzügen in Haus, Hof und Garten« über die Nachtkerze:...
Schwarzer Holunder oder Holler (Sambucus nigra)

Schwarzer Holunder oder Holler (Sambucus nigra)

Zur Zeit steht der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), hier im bayerischen und in Österreich auch Holler genannt, in voller Blüte und verströmt seinen typischen, süßen Geruch. Erstaunlicherweise wird der Holler im Norden Deutschland auch als Flieder bezeichnet, selbst im illustierten Kräuterbuch von Dr. Ferdinand Müller findet sich der Schwarze Holunder unter der Bezeichnung Flieder. Weitere Namen dort sind Holder oder Elhorn. Er gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae). Der Holler ist einer der häufigsten Sträucher in Mitteleuropa. Der schnellwachsende Strauch ist äußerst robust und anspruchslos, was wohl der Grund für seine große Verbreitung sein dürfte. Trotzdem liebt er sticksoffhaltige Böden, er gilt daher als Zeigerpflanze für Stickstoff. Die Pflanze findet überhaupt eine vielseitige Verwendung, obwohl Gifte in einzelnen Pflanzenteilen bei Kindern und empfindlichen Personen zu Symptomen wir Erbrechen, Krämpfen und Magenproblemen führen sollen. Die häufigste Verwendung findet der Holunder wegen seines starken, süßlichen Aromas der Blüten als Sirup, Sekt oder in Form der Hollerkücherl, in Teig getauchte Blütenstände, die dann ausgebacken werden. Die stark färbenden Beeren werden dagegen als natürlicher Farbstoff in Lebensmitteln, z.B. in Süßigkeiten oder in Rotwein eingesetzt. Der Holunder wird aber auch als Heilpflanze eingesetzt, so hilft der Tee gegen Erkältung, Nieren- und Blasenleiden. Einzelnen Wirkstoffen des Holunders konnte eine Wirksamkeit gegen Grippe nachgewiesen werden. Kein Wunder also, das der Holler unter dem Namen Schwarzer Flieder im illustrierten Kräuterbuch von Dr. Ferdinand Müller ausführlich behandelt wird, ein kurzer Auszug aus den mehr als zwei Seiten Beschreibung über die verschiedenen Anwendungsbreiche des Schwarzen Holunders: Die Blüthen im schwarzen F. [= Flieder], bekannt unter dem Namen Hollunder- oder Holderblüthe, geben einen allgemein gekannten und gebrauchten Thee, der hauptsächlich...
Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Eine der häufigsten Giftpflanzen, die wir in der Natur oder im Garten antreffen ist der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Besonders auffällig ist das leuchtende Blau der Blüten, dass vor allem auf Almwiesen im Gebirge schön zur Geltung kommt. Weitere Trivialnamen des alten Heilkrauts sind Mönchs- oder Reiterkappe, Sturmhut oder Gifthut, Venuswagen, Hunds- oder Ziegentod. Blauer Eisenhut und seine Verwendung Auch wenn alle Teile des Blauen Eisenhuts stark giftig sind, so wird die Pflanze seit früher Zeit als Heilkraut verwendet. Dr. Ferdinand Müller schreibt über den Blauen Eisenhut in seinem illustrierten Kräuterbuch von 1886: Die Blätter werden zu Beginn der Blüthezeit gesammelt und gegen Gicht, Drüsengeschwüre und Lähmungen angewendet; die Wurzel ist kräftiger als die Blätter, wird aber nur selten gebraucht. Die Blätter des wildwachsenden Eisenhuts werden denen des des in Gärten gepflanzten vorgezogen. – Der Eisenhut ist bei allen fieberhaften Entzündungskrankheiten ein herrliches Heilmittel und macht bei denselben das so nachtheilige Aderlassen völlig entbehrlich. In Anbetracht der Giftkeit des Blauen Eisenhuts sollte man aber besser von einer Nutzung der Pflanze als Heilmittel absehen! Für den Garten gibt es neben den blau blühenden Sorten auch weiß oder rosa blühende Sorten des Eisenhuts. Mir gefällt der ursprüngliche, kräftige Blauton der Wildform aber am Besten. Ähnliche Beiträge über Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) Das Buschwindröschen (Anemone nemorosa) Die Christrose oder Nieswurz (Helleborus) Der Winterling (Eranthis hyemalis) Die Japan-Anemone (Anemone japonica) oder auch Herbstanemone Trollblumen, Trollius europaeus Leberblümchen, Anemone hepatica...