Der Afrika- und Naturforscher Georg Schweinfurth

Der Afrika- und Naturforscher Georg Schweinfurth

Bei einer Haushaltsauflösung stieß ich vor einigen Jahren auf einen kleinen Schatz. Zwischen all den Büchern, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln fand ich ein kleines Büchlein von dem Naturforscher Georg Schweinfurth: sein »Afrikanisches Skizzenbuch«. Mit dem Untertitel Verschollene Merkwürdigkeiten veröffentlichte Schweinfurth kurz vor seinem Tod 1925 noch eine Auswahl von Erlebnissen und Anekdoten aus den Reiseberichten seiner zahlreichen Afrikafahrten.

Georg Schweinfurth, Afrikanisches Skizzenbuch

Georg Schweinfurth, Afrikanisches Skizzenbuch

Georg Schweinfurth wurde im Jahr 1836 in Riga geboren. Seine Kindheit verbringt er größtenteils in einer Erziehungsanstalt in Livland. Später wechselt er nach Riga auf das Gymnasium. Er begeistert sich schon sehr früh für Expeditions- und Reiseberichte und beginnt bereits zur Schulzeit, sich mit ausgedehnten Fußmärschen durch seine baltische Heimat auf die Strapazen und Entbehrungen späterer Forschungsreisen vorzubereiten. Von 1857 bis 1860 studiert er in Heidelberg und schließt sein Studium später in naturhistorischen Studien in Berlin und München ab.

Georg Schweinfurth im Jahre 1864

Georg Schweinfurth im Jahre 1864

Als seine Mutter ihm aus der Erbschaft 10.000 Rubel überweist ist die Zeit für seiner erste Afrikaexpedition gekommen. Er bricht 1863 auf und betritt am 26. Dezember zum ersten Mal afrikanischen Boden. Er bereist hauptsächlich Ägypten und Nubien (heutiger Sudan) und beschäftigt dabei vor allem mit botanischen und pflanzengeografischen Studien.

Seine Expedition ist so erfolgreich, dass ihm die Berliner Akademie der Wissenschaften über die Humboldtstiftung für Naturforschung und Reisen weitere Mittel für zukünftige Afrikafahrten zur Verfügung stellt. Schon bald darauf kehrt er nach Afrika zurück: Seine nächste Reise führt ihn in die noch unerforschten Gebiete des oberen Nils. Die Forschungsschwerpunkte sind geografische, ethnografische und botanische Studien. 1872 kommt er zurück nach Deutschland, wo er vor der Geografischen Gesellschaft München seinen erste Reisebericht vorträgt.

Noch im Jahr 1872 trifft er in Berlin auf den Deutschamerikaner Henry Jacoby, ein Korrespondent des New York Herald. Er überzeugt Georg Schweinfurth davon, seine Reiseerlebnisse als Buch zu veröffentlichen. So erscheint 1874 »Im Herzen von Afrika (The heart of Arfica)« im Verlag Sampson Low, Marston Low & Searl zuerst auf Englisch. Sein Honorar beträgt 2.000 Pfund. Das Buch machte Georg Schweinfurth auch im englischsprachigen Raum bekannt. Das er seinen Reisebericht zuerst im Ausland statt in Deutschland veröffentlichte, brachte ihm einige Kritik ein aber auch die große, goldene Stiftermedaille der Londoner Geografischen Gesellschaft ein. Später wurde der Bericht noch auf italienisch, französisch und sogar türkisch übersetzt.

Seine nächste Reise nach Afrika führt ihn 1874 für nur vier Monate zur lybischen (?) Oase el Chargeh. Am 2. Juni 1875 gründet er eine Geografische Gesellschaft in Kairo, deren Vorsitzender er allerdings nur für ein Jahr bleibt. 1876 bricht er schließlich zur botanischen und geografischen Erforschung der »östlichen Wüste» auf. Er berichtet von zehn Streifzügen mit mehreren tausend Kilometer, die er im Rahmen dieser Expedition durchführt.

Eine im Jahre 1876 angebotene Professur für Geografie der Universität Leipzig lehnt er ab. Zu groß ist seine Begeisterung für Ägypten und Afrika. Insgesamt lebt er 13 Jahre als Privatgelehrter in Kairo. In dieser Zeit unternimmt er zahlreiche Exkursionen in bis dahin unbekannte Landstriche Afrikas:

  • 1880 bereist er den Libanon;
  • 1881 erforscht er gemeinsam mit Emil Riebeck die Insel Sokortra;
  • 1882 bereist er auf einer dreimonatigen Rundreise Oberägypten …
  • … und im gleichen Jahr erlebt er in Alexandria die Beschießung der Stadt durch die englische Flotte.
  • 1883 bekommt er die Möglichkeit, an Bord des deutschen Kreuzers Cyklop von Alexandria aus die Küste Richtung Westen zu erkunden.

Der Schwerpunkt seiner Forschung bleibt die Botanik und 1887 veröffentlicht er gemeinsam mit seinem Freund Paul Ascherson eine Übersicht der Afrikanischen Flora, die er 1889 mit einem Nachtrag erweitert (»Memoires de l’Institut Egyptien»).

Am 1. Juli 1888 gibt er seine Wohnung in Kairo endgültig auf um nach Berlin überzusiedeln. Dort lebt er bis 1909 im sogenannten Steuerhäuschen im alten Botanischen Garten. Als dieser nach Dahlem verlegt wird, wird dieses Häuschen abgerissen. Aber selbst während dieser Berliner Zeit unternimmt er vor allem in der Winterzeit zahlreiche Reisen nach Ägypten, Algerien und Tunesien. In den Jahren 1891 bis 1894 führen in schließlich drei Expeditionen nach Abessinien in die italienische Kolonie Eritrea. Die Winter zwischen 1906 und 1908 verbringt er abwechselnd wieder in Algerien und Tunesien.

Insgesamt besucht er den afrikansichen Kontinent über einen Zeitraum von 4 Jahrzehnten. Zu seinen botanischen und geografischen Studien kommen in seinen späteren Jahren auch zahlreiche archäologischen Studien der ägyptischen Geschichte hinzu. Aber auch hier interessieren ihn hauptsächlich die Pflanzen: seine Ergebnisse fasst er im ersten Band des 1924 erschienen Buchs »Gartenpflanzen im alten Ägypten. Ägyptologische Studien von Ludwig Keimer« zusammen. Afrika hat er am 1914 für immer verlassen. In seinem Lebenslauf schreibt er »Am 14. Mai 1914 habe ich auf Nimmerwiedersehen das schöne Sonnenland Ägypten und seine sympathischen Bewohner verlassen.«.

Georg Schweinfurth war trotz seiner gefährlichen und entbehrungsreichen Expeditionen ein langes Leben beschert. Er verstarb am 19. September 1925 im Alter von 88 Jahren. Sein Ehrengrab findet sich im Botanischen Garten Berlin. Alle hier genannten Lebensdaten Schweinfurths habe ich seinem selbt verfassten Lebenslauf im Buch »Afrikanisches Skizzenbuch« entnommen.

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