Eine alte Heilpflanze: der Echte Beinwell (Symphytum officinale)

Eine alte Heilpflanze: der Echte Beinwell (Symphytum officinale)

Der zu den Rauhblattgewächsen (Boraginaceae) zählende Gemeine Beinwell (Symphytum officinale) ist eine der bekanntesten und ältesten Heilpflanzen unserer heimischen Flora. Als häufigste Anwendung wird ein Brei eingesetzt, der aus der Wurzel der Pflanze hergestellt wird und als Umschlag bei Knochenbrüchen helfen soll. Das erklärt den deutschen Trivialnamen Beinwell, der Begriff »Bein« leitet sich dabei von der Bedeutung für Knochen ab. Wegen der schwarzen Wurzel wird das Heilkraut auch als Schwarzwurz bezeichnet.

Blüte des Echten Beinwell (Symphytum officinale) Blüte des Echten Beinwell (Symphytum officinale)

Dr. M. Fünfstück schreibt in seinem »Botanischen Taschenatlas« von 1894 über den Beinwell:

Die schleimige, aussen schwärzliche Wurzel war früher offizinell und wurde zu Breiumschlägen bei Knochenbrüchen benützt. Das Heu wird von Pferden und Rindern sehr gern genommen, so dass ma die Varietät S. asperrimum Sims. (Comfrey) neuerdings sogar als perrennierende Futterpflanze gebaut hat.

Blüte des Echten Beinwell (Symphytum officinale) Blüte des Echten Beinwell (Symphytum officinale)

Klar, dass sich bei einer solch alten Heilpflanze auch im »Illustrieten Kräuterbuch« (1886) von Dr. Ferdinand Müller eine ausführliche Beschreibung des Krauts und seiner Verwendung findet:

Gemeiner B. (Beinwell), Schwarzwurz (S. officinale), eine überaus nützliche, in ganz Europa auf feuchten Wiesen, schattigen Plätzen und an Bächen wachsende Pflanze, welche eine Höhe von 5 bis 7 Demtr. (= Dezimeter), erreicht und einen hohen ästigen, rauhen Stengel mit lanzettigen, breiten, rauhen und herabhängenden Blättern hat. Die trichterförmigen, gelblichen oder rötlichen Blumen erscheinen im Juni an den Spitzen der Aeste in kleinen Büscheln. Das Vieh verschäht diese Pflanze; in England und Irland werden jedoch die jungen Blätter wie Kohl gegessen. Eine Abkochung der frischen oder getrockneten Blumen gibt einen guten Thee gegen Husten. Von Bienen werden sie ihres reichen Honiggehaltes wegen fleißig besucht. Der schätzbarste Theil der Pflanze ist die möhrenartige, ästige, außen schwarze, innen weiße Wurzel, welche viel zähen Schleim besitzt. weshalb man man sie äußerlich zu kühlenden und erweichenden Umschlägen, innerlich als linderndes, zusammenziehendes Mittel in Durchfällen und Ruhren etc. anwendet. Wenn man den Schleim durch Kochen auszieht und verdickt, so gibt er mit Gummilack eine schöne karmoisinrothe Farbe. Das Kameelhaar erfordert eine Zubereitung mit diesem Schleime, indem es sich ohne solche nicht verspinnen läßt. Durch Bestreichen mit diesem Schleime erhält das Leder Geschmeidigkeit und Dauerhaftigkeit. Im Herbste hat die Pflanze mehr zusammenziehende Kräfte als zu jeder anderen Jahreszeit, was beim Sammeln zu berücksichtigen ist, und kann man sie dann auch zum Gerben benützen. Bei Knochenbrüchen, Hernien (?) etc. ist ein Breiüberschlag von außerordentlich günstigem Erfolge, weshalb wir dieses Mittel dringends empfehlen. – Für Wunden, Risse, Brüche, Eitergeschwüre etc. ist der Schleim von den allergünstigsten Folgen und getrunken heilt er das Blutspeien. – Ein ausgezeichnetes Mittel gegen Lungenleiden erhält man, wenn man den Schleim in Wein siedet und dies trinkt. Jeder Wundarzt sollte immer im Besitze dieses Mittels sein, indem ein Breiumschlag auch zerknirschte Glieder schnell heilt, die Geschwüre mildert und mit Wein getrunken, den Fluß der Frauen stillt. – Gun-Patin’s bewährtes Mittel gegen Blutauswurf. Der Saft der Beinwellwurzel mit Wein getrunken ist ausgezeichnet gegen das Blutauswerfen. Der Patient muß aber vorher zur Ader gelassen und einige Male gelinde purgieren.

Diese Beschreibung nach ist der Beinwell schon fast ein Allheilmittel. Erstaunlich ist allerdings die unterschiedliche Beurteilung der Eignung des Beinwells von Fünfstück und Müller. Während erster den Beinwell (allerdings die Art Komfrey) als hervorragende Futterpflanze lobt, schreibt Müller, dass das Vieh ihn meidet.

Der Echte Beinwell (Symphytum officinale) oder auch Gemeiner Beinwell oder Schwarzwurz Der Echte Beinwell (Symphytum officinale) oder auch Gemeiner Beinwell oder Schwarzwurz

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1 Kommentar

  1. Sehr cool wenn man solche alten Heilpflanzen findet. Gibt soviele davon und vieles ist einfach die Jahre in Vergessenheit geraten. Dabei sind viele davon noch aktuell und können genutzt werden (viele haben ja schließlich wirklich geholfen, nicht alles ist Einbildung gewesen)

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