Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Schwarze Tollkirsche oder auch Wolfsbeere (Atropa belladonna) gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Ihr lateinischer Gattungsname Atropa leitet sich von der griechischen Göttin Atropos ab, eine der drei Schicksalsgöttinnen. Beim Artnamen belladonna wird oft auf die Übersetzung aus dem Italienischen „schöne Frau“ verwiesen, da sich Frauen früher angeblich den Saft der Pflanze in die Augen tropften und damit die Pupillen vergrößerten. Ob das die Schönheit einer Frau nun steigert lassen wir an dieser Stelle einfach mal offen, jedenfalls verbindet man heutzutage vergrößerte Pupillen eher mit Rauschzuständen und Drogenkonsum, was wiederum auf den deutschen Trivialnamen Tollkirsche verweist.

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Tollkirsche: Zauberpflanze und Heilkraut

Die Tollkirsche ist jedenfalls eine alte Zauberpflanze und Heilkraut. Sie wurde schon frühzeitig wegen ihrer berauschenden Wirkung genutzt. Wegen ihrer verheerenden Wirkung brachte Hildegard von Bingen die Pflanze mit dem Teufel in Verbindung.

Beeren der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna)

Beeren der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna)

Dabei sollte man die Giftigkeit der Pflanze, vor allem die der Beeren, nicht unterschätzen: Auf Wikipedia fand ich die Information, dass bei Kindern bereits der Verzehr von 3 bis 4 Beeren und bei Erwachsenen von 10 bis 12 der tiefschwarzen Beeren tödlich sein können. Medizinisch wird heute vor allem der Wirkstoff Atropin für die verschiedensten Arzeneien genutzt.

Dr. Ferdinand Müller schreibt in seinem illustrierten Kräuterbuch von 1886 über die Wirkung der schwarzen Beeren sehr eindrucksvoll:

Sie schmecken eckelhaft süß, erregen in kürzester Zeit die schrecklichsten Wirkungen der gefährlichen Gifte, als: Entzündung im Schlund und Magen, Krämpfe, Zuckungen, Gichter (?), Erbrechen, Anschwellen des Unterleibs, schweren Athem, Wahnsinn und zuletzt den Tod.

Über die medizinische Anwendung der Tollkirsche schreibt er:

Genau nach Vorschrift angewandt ist die Tollkirsche ein schätzbares Heilmittel, namentlich innerlich ein Schutzmittel gegen Scharlachfieber, welches bei dem Gebrauch nie zum Ausbruch kommt. Sie wirkt heilsam bei Krampf- und Keuchhusten, Nervenzahnweh, oder wenn Zahnweh mit Nervernverstimmung, Mutterkrämpfen zusammenhängt, bei Gebärmutterkrämpfen vor und während der weiblichen Periode, wo sich heftiges Drängen zeigt mit Kreuzschmerzen, Eckel, Erbrechen, Angst, Brustbeklemmung. Bringt radikale Hülfe im Magenkrampf, der von Schwäche und Vertstimmung der Nerven herrührt; ist gut bei gichtischen Beschwerden, namentlich wenn sich schon Gichtknoten gebildet haben; bei Gesichtsrose, skrophulösen Augenentzündungen mit Lichtscheue, Brennen und Zuschnüren der Augen; ausgezeichnet in der Hundswuth, ehe die Wuth ausbricht, bei Epilepsie, Veitstanz, etc.

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