Sein Name ist in Nordamerika ein Synonym für Naturführer: John James Audubon

Neben John Gould ein weitere Ornithologe, der in dieser Reihe vorgestellt wird: John James Audubon. Er ist der Namenspatron einer der ersten Naturschutzorganisationen in den USA. Die Ehre wurde ihm wegen seiner Fähigkeit zuteil, naturgetreue Darstellungen der Tierwelt zu zeichnen. Wer heute einen Naturführer über Nordamerika, zum Beispiel über die dortige Vogelwelt kauft, stößt meist auf den Namen Audubon. John Audubon machte selber widersprüchliche Angaben zu seinen Geburtsdaten. Anfang des 20.ten Jahrhunderts wurden allerdings in Frankreich Quellen gefunden, die ihn als Sohn eines französischen Kapitäns und eines französischen Mädchens, welches auf seinen Zuckerrohrplantagen in Haiti arbeitete, auswies. Als seine leibliche Mutter kurz nach seiner Geburt starb, nahm Audubon seinen Sohn mit zurück nach Frankreich, wo er in der Familie seines Vaters aufwuchs. Diese uneheliche Herkunft lies John Audubon wohl dazu hinreißen selbst falsche Angaben über seine Herkunft zu machen. Als Geburtsjahr wird 1785 angegeben. In seiner Jugend wurde er von seinem Vater wieder auf eine Plantage, diesmal in Philadelphia, geschickt, die die der junge John leiten sollte. Dies gelang ihm allerdings nur mäßig. Dagegen machte er durch seine künstlerischen Neigungen auf sich aufmerksam, die er zum Leidwesen seines Vaters mit seiner schon sehr jung angetrauten Frau Lucy auslebte. Sein Glück war es, das er sich für einen neuerlichen Umzug über den Atlantik, nach England, entschied. In England waren im 19.ten Jahrhundert naturgetreue Darstellungen von Pflanzen und Tieren sehr begehrt, so daß er dort zwischen 1826 und 1838 435 Drucke mit amerikanischen Vögeln veröffentlichen konnte. 1830 veröffentlichte er zudem eine ornithologische Biographie, die er mit Geschichten aus seiner Heimat anreicherte. Nach seinem Erfolg mit der Darstellung von Vögeln, ging er...

Hildegard von Bingen, eine Naturkundlerin in der dunklen Zeit des Mittelalters

Diese Frau hat vor fast tausend Jahren im tiefsten Mittelalters gelebt und gewirkt! Aus diesem Grund ist ihr Lebenslauf nur sehr lückenhaft bekannt und ihr Werk leider nicht im Original erhalten. Sie wurde im Jahre 1098 als zehntes Kind des Grafen von Bermersheim auf der Burg Böckelheim an der Nahe geboren. Mit acht Jahren wurde sie von ihren Eltern zu einer Klausnerin auf dem Disibodenberg gegeben. Mit 15 trat sie als Ordensschwester dem neu gegründeten Benediktinerinnenkloster bei. 1136 wurde sie selbst zur Äbtissin. 1147 gründete sie das Kloster Rupertsberg in der Nähe von Bingen. Ihr Lebenswerk war von einer enormen Vielseitigkeit geprägt: sie trat für eine grundlegende Reform des kirchlichen Lebens ein, engagierte sich in musischen und mystischen Bereichen, und sammelte für die damalige Zeit eine enormes Wissen auf den Gebieten der Medizin und der Naturwissenschaften an. Ihre natur- und heilkundlichen Schriften sind leider nur in Kopien überliefert, dennoch besteht kein Zweifel an ihrer Authenzität. Ihr bekanntestes Werk ist ein für den praktischen Gebrauch bestimmtes Arzneibuch, die »Physica«. Es beinhaltet neun Kapitel mit insgesamt 513 Einzelbeschreibungen. Ein Schwerpunkt bildet die Botanik: 293 Darstellungen widmen sich Kräutern und anderen Heilpflanzen, die damals in Klostergärten angebaut wurden. Weitere Darstellungen beziehen sich auf die Tierwelt: ihre Zusammenfassung der Fische des Rheins war bis ins zwanzigste Jahrhundet hinein die vollständigste. Sie starb am 17. September 1179 mit 82 Jahren im Kloster auf dem Rupertsberg in der Nähe von Bingen. Hildegard von Bingen erfuhr in den letzten Jahren durch die verklärte Esoterik-Bewegung der westlichen Welt eine zweifelhafte Renaissance, die ihrem Lebenswerk sicherlich nicht gerecht...

Lorenz Oken: ein unbequemer Charakter im Wissenschaftsbetrieb

So ungewöhnlich wie sein gesamter Werdegang vom mittellosen Bauernsohn aus der badischen Provinz zum erfolgreichen Naturwissenschaftler war, so außergewöhnlich war auch seine Haltung gegenüber dem damaligen Wissenschaftsbetrieb. Er scheute keine Auseinandersetzung und leutete damit eine Demokratisierung der noch sehr elitären Wissenschaften ein. Er veröffentlichte seine Arbeiten zum Beispiel konsequent in deutscher Sprache und nicht wie üblich in Latein. Lorenz Oken, ein Naturforscher des 19. Jahrhunderts, war nicht nur ein unbequemer Charakter im damaligen Wissenschaftsbetrieb, sondern ihm ist unter anderen eine damals in Gang gekommene Demokratisierung der Naturwissenschaften zu verdanken: statt in Latein veröffentlichte er seine Arbeiten aus Überzeugung in deutscher Sprache, ja übertrag sogar zahlreiche Fachbegriffe in die auch für Laien verständliche Sprache. So stammen unter anderem die allgemein bekannten und geläufigen Begriffe Kerfe, Kerbtiere, Zelle und Qualle von ihm. So ungewöhnlich wie seine wissenschaftlichen Arbeiten war sein ganzer Lebenslauf: als mittelloser Bauernsohn am 1. August 1779 in Bohlsbach im Schwarzwald geboren, damals hieß er noch Ockenfuß, verlor er früh seine Eltern. Der Pfarrer des Ortes nahm ihn bei sich auf und erkannte sehr schnell die außergewöhnliche Intelligenz des Jungen. Er schickte ihn nach Baden-Baden auf die Stiftsschule. Die nächste Etappe war die Universität Freiburg, wo er Medizin studierte. Schon dort beginnt er eine eigene »Naturphilosophie und Theorie der Sinne« zu erarbeiten, die erwartungsgemäß von seinem Chirugieprofessor, der er die Arbeit vorlegt, verrissen wird. Nichtsdestotrotz läßt er sie nach seiner Promotion drucken und veröffentlichen. Von Schellings Arbeiten beeindruckt wechselt er nach Würzburg. Dort entwickelt er die »Bläschentheorie«, ein Grundstein für die sich später entwickeltende Zelltheorie. Er verwirft darin das damals gültige Weltbild, das jedes Spermium ein fertiges Lebewesen enthält,...

Der Asienreisende Philipp Franz von Siebold

Er kann einen der spannensten und faszinierendsten Lebensläufe vorweisen, die man sich vorstellen kann: der Würzburger Philipp Franz von Siebold. Seine Geschichte könnte unverändert als Vorlage eines Abenteuerromans in exotischer Umgebung mit dem notwendigen Schuss Romantik dienen. Geboren wurde Philipp Franz als Sohn einer reichen und angesehenen Familie am 17. Februar 1796 in Würzburg. Er wuchs dort auch auf und studierte an der Würzburger Universität Medizin, sein Vater als auch sein Großvater hatten dort schon einen Lehrstuhl inne. Das Fernweh muss den jungen Franz Philipp schon sehr früh erfasst haben, inspiriert durch die Reiseberichte eines Alexander von Humboldt und eines Kapitäns James Cook. Die Asienreise Im Alter von 28 Jahren ist es dann soweit, mit einer exzellenten Ausbildung als Mediziner tritt Philipp Franz von Siebold seinen Dienst als Arzt in den holländischen Kolonien Ostasiens an. Er nutzt sofort jede Gelegenheit, seinen Beruf mit seinem botanischen Interesse zu verbinden. So lernt er schon nach kurzer Zeit den Leiter des Botanischen Gartens von Java, Dr. Karl Ludwig Blume kennen . Blume wird später in Deutschland selbst einigen Ruhm erlangen, er liefert viele asiatische Pflanzen in seine Heimat. Einer seiner treuesten Kunden ist dabei kein geringerer als Johann Wolfgang Goethe. Von Siebold fällt seinen dortigen Dienstherren nicht nur sofort durch seine Fähigkeiten als Mediziner auf, sondern begeistert auch durch seinen Umgangsformen und seine Wissbegier allem Neuen gegenüber. Noch im gleichen Jahr wird von Siebold von Generalgouverneur Baron van der Capellen beauftragt, dass nach außen abgeschottete Japan zu erkunden. Japan gewährt seit 1639 Ausländern nur noch einen sehr stark reglementierten Zutritt in sein Land. Vor dem Hafen von Nagasaki dient die kleine Insel...

Carl von Linné: der Begründer der modernen Taxonomie

Linné führte als erster die heute noch gebräuchliche Nomenklatur in der Biologie ein, die bei der Namensgebung die Verwandschaftsverhältnisse der Geschöpfe berücksichtigt. Er gilt damit als Begründer der modernen Taxonomie. Geboren 1707, gestorben 1778. Carl Linnaeus, sein eigentlicher Name, wurde 1762 von König Adolf Frederik in den Adelsstand erhoben. In Ermangelung eines (?) in der schwedischen Sprache und wahrscheinlich wegen einer zu dieser Zeit herrschenden Vorliebe für alles französische wurde daraus dann Carl von Linné. Er arbeitete auf den Gebieten der Botanik, aber auch der Entomologie (Scarabeidae). Der Name Carolus Linnaeus, den er in seinen Veröffentlichungen wie zum Beispiel der »Systema Naturae« verwendete, entstand durch eine Transformation ins...

Eine ungewöhnliche Frau, nicht nur für ihre Zeit: Maria Sybille Merian

Diese Forscherin aus eigenem Antrieb dürfte auch heute noch anecken. Um wie viel schwerer muss es für sie gewesen sein, sich in ihrer damaligen Zeit durchzusetzen und sich auf den Weg in die Tropen zu machen um die Welt der Pflanzen und Insekten zu erforschen. Sie war die Tochter von Matthaeus Merian, zu dieser Zeit ein bekannter Herausgeber des »Theatrum Europaeum« und der »Topographien«, der allerdings drei Jahre nach ihrer Geburt in der Nähe von Schwalbach starb. Ihr Vater prophezeite ihr angeblich auf dem Sterbebett, das der Name Merian durch sie nie vergessen werden würde. Ihr Stiefvater, der holländische Blumenmaler Jacob Marell (ihre Mutter heiratete ihn 1651), erkannte und förderte das graphische Talent der jungen Merian. Er vermittelt ihr den Naturalismus der holländischen Blumenmalerei. Sie selber heiratete einen der Studenten ihres Stiefvaters, der wohl sehr früh vertarb (Abraham Mignon, 1679, die Angaben sind widersprüchlich!). Ihre zweite Hochzeit mit dem Architekturmaler Johann Andreas Graff fand 1670 statt mit dem sie später nach Nürnberg übersiedelt. Dort begann sie systematische Naturbeobachtungen vor allem über die Entwicklungsstadien von Insekten und ihrer Ökologie. Die Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlichte sie 1679 in dem Werk »Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung«. U. George [z1] sieht daher in ihr nicht nur die Begründerin der Entomolgie, sondern auch der ökologischen Forschung. Die Ehe endete 1685 durch Scheidung, was ihr die Gelegenheit und wahrscheinlich auch die nötige Freiheit zu einer ausgedehnte Forschungsreise gab. Ihre älteste Tochter war mit Jacob Herold verheiratet, der Geschäftsbeziehungen mit der holländischen Kolonie in Surinam (Südamerika) unterhielt. Diese Kontakte nutzte sie 1699 zusammen mit ihrer jüngsten Tochter zu einer mehr als zweijährigen Reise nach...