Ein großer Naturforscher und begnadeter Botaniker: Georg Wilhelm Steller

Georg Wilhelm Steller ist einer der großen Naturforscher des achtzehnten Jahrhunderts. Auf ausgedehnten Forschungsreisen in Russlands Osten stieß er bis nach Kamtschatka vor, für einen kurzen Abstecher sogar bis nach Alaska. Ähnlich Christoph Kolumbus war er damit eigentlich auch ein Entdecker der „Neuen Welt“, allerdings von der anderen Seite her. Er kehrte von seinen Forschungsreisen im Osten Russlands zurück, nahm aber ein eher trauriges Ende. Vermutlich mit ein Grund, warum der große Naturforscher Georg Wilhelm Steller in Deutschland fast in Vergessenheit geriet. Von ihm sind keine Darstellungen oder Portraits bekannt. Kindheit und Werdegang von Georg Wilhelm Steller Steller wurde am 10. März 1709 in Windsheim geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf, konnte aber das dortige Gymnasium besuchen. Sein Vater war an der Schule Kantor und Organist. Dank eines Stipediums seiner Heimatstadt Windsheim konnte er in Wittenberg Theologie studieren. Sein Interesse galt aber mehr der Medizin und den naturwissenschaftlichen Fächer. Als sein Stipendium gestrichen wurde, gab er sein Theologiestudium auf und wechselte nach Leipzig, Jena und Halle. Dort konzentrierte er sich auf die Botanik und lernte die Russlandkunde kennen, ein Fach, dass scheinbar einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterließ. 1734 legte er dann sein Examen als Arzt ab. Er verfügte nicht über genügend finanzielle Mittel für ausgedehnte Reisen. Um aber nach Russland zu kommen, schloss er sich als Arzt dem russischen Heer an. Er reiste von Danzig nach Sankt Petersburg, wo er seinen Nachnamen von Stöller in Steller änderte – angeblich, weil Steller für Russen einfacher auszusprechen ist. Sankt Petersburg erreicht er noch im Jahr 1734. Dort trifft er auf den orthodoxen Erzbischof Prokopowitsch, der ihm Zugang zu den...
Der Afrika- und Naturforscher Georg Schweinfurth

Der Afrika- und Naturforscher Georg Schweinfurth

Bei einer Haushaltsauflösung stieß ich vor einigen Jahren auf einen kleinen Schatz. Zwischen all den Büchern, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln fand ich ein kleines Büchlein von dem Naturforscher Georg Schweinfurth: sein »Afrikanisches Skizzenbuch«. Mit dem Untertitel Verschollene Merkwürdigkeiten veröffentlichte Schweinfurth kurz vor seinem Tod 1925 noch eine Auswahl von Erlebnissen und Anekdoten aus den Reiseberichten seiner zahlreichen Afrikafahrten. Georg Schweinfurth wurde im Jahr 1836 in Riga geboren. Seine Kindheit verbringt er größtenteils in einer Erziehungsanstalt in Livland. Später wechselt er nach Riga auf das Gymnasium. Er begeistert sich schon sehr früh für Expeditions- und Reiseberichte und beginnt bereits zur Schulzeit, sich mit ausgedehnten Fußmärschen durch seine baltische Heimat auf die Strapazen und Entbehrungen späterer Forschungsreisen vorzubereiten. Von 1857 bis 1860 studiert er in Heidelberg und schließt sein Studium später in naturhistorischen Studien in Berlin und München ab. Als seine Mutter ihm aus der Erbschaft 10.000 Rubel überweist ist die Zeit für seiner erste Afrikaexpedition gekommen. Er bricht 1863 auf und betritt am 26. Dezember zum ersten Mal afrikanischen Boden. Er bereist hauptsächlich Ägypten und Nubien (heutiger Sudan) und beschäftigt dabei vor allem mit botanischen und pflanzengeografischen Studien. Seine Expedition ist so erfolgreich, dass ihm die Berliner Akademie der Wissenschaften über die Humboldtstiftung für Naturforschung und Reisen weitere Mittel für zukünftige Afrikafahrten zur Verfügung stellt. Schon bald darauf kehrt er nach Afrika zurück: Seine nächste Reise führt ihn in die noch unerforschten Gebiete des oberen Nils. Die Forschungsschwerpunkte sind geografische, ethnografische und botanische Studien. 1872 kommt er zurück nach Deutschland, wo er vor der Geografischen Gesellschaft München seinen erste Reisebericht vorträgt. Noch im Jahr 1872 trifft er...

Der ewige Zweite: Alfred Russel Wallace

Unsere Gesellschaft braucht Gewinner und Verlierer. So zählt Alfred Russel Wallace im Rennen um die Formulierung der Evolutiontheorie zu den Verlierern, während Charles Darwin als der Gewinner gilt. Dabei waren die beiden Wissenschaftler – so unterschiedlich sie auch waren – gar nicht verfeindet, sondern diskutierten über Jahre die noch offenen Fragen der Evolution. Wallace selbst hat übrigens nie einen Anspruch auf die Urheberschaft der Evolutionstheorie gestellt. Er sah sich eher als derjenige, der Darwin dazu bewog, mit seinem Manuskript über die Entstehung der Arten endlich an die Öffentlichkeit zu gehen. Alfred Russel Wallace stammte aus einer gebildeten, aber armen Familie. Am 8. Januar 1813 kam er in Monmouthshire (England) zur Welt, wo er mit 8 weiteren Geschwistern aufwuchs. Im Gegensatz zu anderen Wissnschaftlern war er eher ein Abenteurer und »Self-Made-Man«: Ohne elterliche Unterstützung beschäftigte er sich mit Mathematik und Naturwissenschaften. Seine erste Arbeit hatte er als Landvermesser in der Bauunternehmung eines seiner Brüder. Nebenher beschäftigte er sich zunehmend mit Botanik und begann mit dem Sammeln von Insekten. Seine erste Reise, die er auf eigene Faust unternahm, führte ihn von 1848 bis 1852 nach Südamerika. Nach seiner Rückkehr hatte er Zugang zu dem Kreis an Wissenschaftlern, die sich regelmäßig in dem Haus von Darwin trafen, um über die Enstehung der Arten zu diskutieren und zu streiten. Darwin hielt ihn anfangs wohl für einen Sonderling. So bekam er Kontakt zu den Ideen Darwins, der die Artenbildung als einen kontinuierlichen, langsamen Prozess versteht. Eine für die damalige Zeit revolutionärer Gedanke. Doch schon nach zwei Jahren, 1854, zog es Wallace wieder in die Welt, diesmal nach Asien mit Aufenthalten unter anderem in Singapur,...

Der vergessene deutsche Naturforscher George Forster

Mit Goethe hat er diskutiert, Schiller verehrte ihn und für Wilhelm und Alexander von Humboldt war er ein Vorbild: George Forster. Er begleitete als Naturforscher und Chronist Kapitän James Cook auf seiner zweiten Reise in den südlichen Pazifik und in das antarktische Eismeer. Mit seinem später veröffentlichten, auch literarisch erwähnenswerten Expeditionsbericht löste er in Europa eine romantisch verklärte Begeisterung für die Südsee aus, die bis heute noch anhält. Allerdings verhinderte seine eigene flammende Begeisterung für die Ideen der französischen Revolution eine verdiente Würdigung als einer der großen deutschen Forscher. Heute ist er in Deutschland fast vergessen. George Forster wurde am 27. November 1754 als Sohn des Pastors Johann Reinhold Forster in Nassenhuben in der Nähe von Danzig geboren. Die Abstammung der Familie von schottischen Protestanten führte zur englischen Schreibweise seines Namens, der so angeblich im Taufregister der Gemeinde geführt wird . Andere Quelle nennen seinen Namen auch Johann Georg Adam Forster. Sein Vater unterrichtete ihn selbst in allerlei naturkundlichen Fächern: Botanik, Zoologie, Geographie und Völkerkunde. Darüberhinaus mußte er wohl mehrere Sprachen lernen. Trotz der verkrachten Existenz des Vaters besaß dieser guter Kontakte in der damaligen Welt der Wissenschaften. Der Vater heuerte als Naturkundler für die zweite Weltumsegelung von Kapitän James Cook auf der Resolution an, die von 1772 bis 1775 dauerte, und nahm seinen seinen erst 17 jährigen Sohn mit. Während der Vater die beschwerliche Reise angeblich nur missmutig erduldete, begeisterte sich der junge Forster für alles neu zu Entdeckende. Die Reise führte vorbei an Kapstadt und dem Kap der Guten Hoffnung, anschließend durch den indischen Ozean Richtung Pazifik. Dort segeln die beiden Schiffe Resolution und Adventure zwischen Neuseeland...

John Gould begann zwar als Gärtner, doch seine Leidenschaft war die Ornithologie

Seine Biographie passt nicht so ganz, John Gould beschäftigte sich lieber mit der Vogelwelt als mit Pflanzen hierher. Zwar begann er seine Karriere als Gärtner, aber später machte er seine Leidenschaft, die Ornitholigie zu seinem Beruf. Und in diesem Fach war er ein wahrer Meister: seine Monographien über die heimische sowie exotische Avifauna sind heute noch erfolgreich. Zur Welt kam John Gould am 14. September 1804 in Lyme, England. Durch den Einfluß seines Vaters, einem Gärtner in den Königlichen Gärten von Windsor, lernte der junge John Gould erst das Gärtnerhandwerk, bevor sich seine Leidenschaft für die Ornithologie bis nach London herumsprach. Dort konnte er von der damals neu gegründeten »Zoological Society« für die Pflege ihrer Vogelsammlung gewonnen werden. 1829 heiratete er die hochbegabte Künstlerin Elizabeth Coxen, die sicherlich einen starken Einfluß auf die weitere Entwicklung des jungen Gould ausübte. Als er eine Sammlung von Vögeln aus dem Himalaya angeboten bekam, plante er die erste Veröffentlichung mit Illustrationen der Vögel, seine Frau kümmerte sich dabei um die Drucke. Die Drucke sind Lithographien, die nachträglich mit Wasserfarben coloriert wurden. Gould war nicht nur ein begeisterter Ornithologe sondern auch ein cleverer Geschäftsmann: alle seine Publikationen, die er selber verlegte, wurden auch ein kommerzieller Erfolg. Es folgten Werke über Tukane, Trogons, Kolibris und Feldhühner der amerikanischen Avifauna. Eine Reise durch Australien und die dortige andersartige Welt der Beuteltiere faszinierten ihn so sehr, dass er sich zu einer Monographie über die Beuteltiere hinreissen liess. 1841 starb seine Frau Elizabeth, die nur 37 Jahre alt wurde. Nichtsdestotrotz arbeitete Gould so erfolgreich weiter wie zuvor: er illustrierte die Finken der Galapagos Inseln für Charles Darwins Reisebericht...

Landschaftsgärtner und Pionier der modernen Architektur: Sir Joseph Paxton

Seine Konstruktionen von Gewächshäusern aus Gusseisen und Glas schufen nicht nur die Basis die Hochzeit der Glaspaläste des 19.ten Jahrhunderts, das Prinzip des Bauens mit filigranen Stahlträgern findet sich immer noch in den Bauten der Neuzeit. Damit legte ausgerechnet ein Landschaftsgärtner den Grundstein für die Architektur der heutigen Großstädte. Geboren wurde Joseph Paxton am 3. August 1801 in Woburn, Bedfordshire (England). Er begann seine Karriere als Gärtner bei dem »Duke of Devonshire«. Er war dort nicht nur angestellt sondern war gleichzeitig Freund und Berater des Edelmannes. 1826 wurde er Leiter des Gartens in Chatsworth: dort baute er aus Stahl und Glas sowohl das Konservatorium als auch ein Gewächshaus für die seltene Victoria regia. Diese Bauweise sollte ni 1850 wurden seine Pläne für ein riesiges Glashaus, den »Crystal Palace«, für die Weltausstellung (1851) im Hyde Park in London akzepiert. Das Glashaus wurde aus vorgefertigten Glasscheiben und Eisenelementen zusammengesetzt, eine für diese Zeit revolutionären Bauweise. Ähnliche Konstruktionen nach gleichem Bauprinziep waren zum Beispiel der Eiffelturm in Paris. Die Bauzeit des Kristallpalasts betrug nur sechs Monate. Das gesamte Glasshaus wurde 1852 – 1854 nach Sydenham Hill (Upper Norwood) verlegt und durch ein Feuer 1936 teilweise und nach einem deutschen Bombenangriff 1941 vollständig zerstört. Joseph Paxton wurde für seine Verdienste 1851 zum Ritter geschlagen. Ab 1854 bis zu seinem Tod war er Mitglied im Parlament von Coventry. Trotz seiner vielen Verpflichtungen war Sir Joseph Paxton weiterhin als Landschaftsgärtner tätig und gestaltete zahlreiche Parks. Unter seinen vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist das »Paxton’s Botanical Magazin« erwähnenswert, ein dreibändiges Werk zur Systematik exotischer Pflanzen, darunter viele Orchideen. Diese empfindlichen Pflanzen konnten erst mit den Glashäusern von...